Deutscher Meister!

Nach oben zu Fuß, nach unten mit dem Lift

 

Den Aufzug in Hochhäusern nimmt Hans-Peter Schliemann am liebsten für die Fahrt nach unten. Denn die Treppenhäuser sind ohnehin meistens mit nachfolgenden Athletinnen und Athleten verstopft, wenn der 59-Jährige bei seinen Wettkämpfen in einem Wahnsinnstempo über die Stufen nach oben spurtet, um möglichst als einer der Schnellsten im obersten Stockwerk anzukommen.

 

Anstrengung und Training haben sich für den passionierten Treppenläufer, der seit 1998 Mitglied der Laufabteilung des MTV Kronberg ist, erst kürzlich wieder ausgezahlt: Schliemann wurde beim 13. Kölnturm-Treppenlauf Deutscher Meister seiner Altersklasse M60. Austragungsort des Wettkampfs war das höchste Bürogebäude der Domstadt mit seinen insgesamt 40 Etagen und 732 Stufen. In nur fünf Minuten und sieben Sekunden erreichte der Kronberger das Ziel im obersten Stockwerk vor seinen Towerrunning Germany-Teamkollegen Siegfried Flor (5:11 Minuten) und Franz Maier (5:14 Minuten).

 

„Towerrunning Germany ist eine Gemeinschaft aus Läuferinnen und Läufern aus ganz Deutschland, die in der Bewältigung von Treppen jeglicher Art, im Erklimmen von Hochhäusern und Türmen eine besondere Herausforderung und ein intensives, hocheffektives Training sehen“, heißt es auf der Webseite der Community (www.towerrunning-germany.de). Schliemann kam vor circa 15 Jahren zum Treppenlauf und nimmt im Schnitt an jährlich sieben Wettkämpfen im gesamten Bundesgebiet teil. Als der ehemalige Marathonläufer – er finishte die Langstrecke insgesamt 27 Mal – über Bahn- und Intervalltraining schließlich an Wettkämpfen auf der Mittel- und Kurzstrecke teilnahm, fand er Gefallen an den kurzen, intensiven Belastungen. Genau wie sie beim Treppenlauf zu bewältigen sind. Bei rund 100 Wettkämpfen war er bisher am Start: „Da waren kurze Rennen mit 200 Stufen dabei. Und das längste, auch weltweit, war der Treppenlauf über 11674 Stufen auf den Niesen hoch über dem Thuner See in der Schweiz“, berichtet der Athlet, auf dessen Agenda dieses Rennen noch steht. Den Berg-Wettkampf bewältigen Top-Athleten in weniger als einer Stunde. „Treppenlauf kann sehr vielfältig sein“, sagt Schliemann mit großem Enthusiasmus und nennt als Beispiel den zweistündigen Indoor-Treppenlauf in Kirchseeon, bei dem er im vergangenen Januar seine Altersklasse gewonnen hat. Dabei bestand jede der 490 Meter langen Runden aus einem kurzen ebenen Teil, dann ging es im Südturm 140 Stufen bis zur siebten Etage und von dort wieder 140 Stufen zurück ins Foyer.

 

„Normalerweise startet man wegen der Enge der Treppenhäuser einzeln. Massenläufe sind ebenfalls üblich, bei denen auch mal die Ellenbogen eingesetzt werden“, so Schliemann. Es ist erlaubt, zwei Stufen auf einmal zu nehmen, und das Geländer darf von den Sportlern zum Hochziehen genutzt werden.

 

Der passionierte Treppenläufer bereitet sich diszipliniert auf seine Rennen vor: Steile Strecken mit dem Rad oder Trainingseinheiten im vereinseigenen Fitnessstudio mit Gewichten sorgen für eine optimale und punktgenau abrufbare Verfassung. Der Verdacht, dass Treppenlauf die Kniegelenke ungewöhnlich stark belastet, weist er entschieden zurück: „Beim Marathon hatte ich da mehr Probleme.“ Einen Beweis für diese These liefert die Teilnehmerliste des Kölner Laufs: Sogar die Altersklasse M90 war mit einem 93-Jährigen besetzt. Er brauchte gut 18 Minuten bis ins Ziel.

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