Laufend die Welt entdecken

Mehr als 100 Marathons stecken Thomas Schiller mit seinen 60 Jahren schon „in den Knochen“. Mit dem Lauf in Sydney Ende August 2025 hat sich der Leiter der MTV Kronberg Laufabteilung im „Seven Continents Club“ verewigt, für den sich bisher insgesamt weltweit circa 1300 Frauen und Männer registriert und gefinished haben.

Wir sprachen mit Thomas über diese bemerkenswerte Leistung, seine Erlebnisse und seine künftigen Ziele.

 

Über 100 Marathons – einfach toll! An welche außergewöhnlichen Austragungsorte oder Laufstrecken erinnerst Du Dich oft?

Thomas Schiller: Da fallen mit einige ein. Spektakulär war beispielsweise 2014 der Lauf in circa 700 Metern Untertage in einem ehemaligen Bergwerk bei Merkers in Thüringen. Oder 2019 in einem noch belegten Knast in Darmstadt. Und natürlich 2023 der Marathon in der Antarktis auf King George Island.

 

Was hat Dich dazu motiviert, auf allen sieben Kontinenten zu starten?

Thomas Schiller: Das hatte ich eigentlich gar nicht geplant. Doch 2015 realisierte ich beim Tokio Marathon: Hoppla, ich hab‘ ja schon fünf Kontinente erlaufen. Da kommt man natürlich ins Grübeln, ob der „Rest“ auch noch realisierbar ist. Obwohl ich mein Ziel nie aus den Augen verloren habe, hatte ich erst mit der Antarktis 2023 und Australien 2025 die restlichen beiden Kontinente „im Sack“. Aber schließlich gibt es ja auch noch andere Prioritäten im Leben.

 

Zähle doch mal alle Deine Kontinent-Läufe auf.

Thomas Schiller: Für Europa war es mein erster Marathon 1998 in Frankfurt. 2005 folgten Afrika mit einem Lauf in Luxor und Nordamerika mit Las Vegas. 2012 finishte ich in Buenos Aires erstmals unter drei Stunden und hakte damit Südamerika ab. Drei Jahre später war Tokio an meinem 50. Geburtstag an der Reihe. 2023 folgte dann die Antarktis und letzten August Australien.

 

Wie bereitest Du dich auf die unterschiedlichen Gegebenheiten bezüglich Klima, Streckenprofile sowie die Zeitunterschiede vor?

Thomas Schiller: Was Klima und Zeitverschiebung angeht, habe ich mich eigentlich nie besonders vorbereitet. Das ist oft einfach nicht möglich. Streckenprofile gehen da schon eher – die kann man im Taunus mit Höhenmetern oder um Frankfurt herum mit flachen Strecken prima trainieren.

 

Welcher Marathon der Kontinent-Serie hat Dich am meisten beeindruckt und gefordert?

Thomas Schiller: Es kommt immer auf den eigenen Trainingszustand an. Ist die Vorbereitung ungenügend, wird jeder lange Lauf am Ende zur Qual. Die Antarktis war sicher krass und einmalig – weniger wegen der Temperaturen als der spannenden An- und Abreise mit einem Schiffchen bei hoher See über die Drake-Passage. An die spektakuläre Natur inklusive Tierwelt werde ich mich immer erinnern – ebenso an den extremen Dauerwind beim Laufen mit schmerzenden Augen.

 

Welche sind Deine nächsten Herausforderungen?

Thomas Schiller: Ein Marathon in der Wüste von Marokko noch diesen Februar und der 10. Schweriner Seentrail über 61 Kilometer, der um den kompletten See herumführt.

 

Dann bleib‘ hoffentlich noch lange fit.

Thomas Schiller: Ich selbst bin mehr als dankbar, dass meine Gesundheit bisher so gut mitgespielt hat. Deshalb habe ich in der Vergangenheit etwas zurückgegeben und für Kinder, denen es gesundheitlich nicht so gut geht, Geld gesammelt. Jeweils zu meinem 50. und 60. Geburtstag habe ich dank der Sammlungen und vieler Unterstützer ca. 6000 Euro an den Verein „Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt e.V.“ gespendet.

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